By Werner Thole, Ernst-Uwe Küster
Ich bin doch kein Sozialpadagoge erwiderte Jurgen Klinsmann vor einiger Zeit die Frage, ob er sich als Vorbild fur Jugendliche versteht und uber sein snapshot meint, gewaltformiges Handeln von Jugendlichen unterbinden zu kon nen. Im Gegensatz zu einem ehemaligen Dusseldorfer Burgermeister, der Anfang der 80er Jahre mehrfach offentlich erklarte, daB ihm jeder halbpro fessionelle FuBballtrainer einer drittklassigen Jugendmannschaft sympathi scher sei als diese anpolitisierten Jugendarbeiter, scheint Jurgen Klinsmann eine ungefahre Vorstellung von dem sozialpadagogischen Profil derjenigen zu haben, die beruflich mit Kindern und Jugendlichen arbeiten. Gleichwohl Gerd Rugenbauer wahrend der FuBballeuropameisterschaft 1996 in England Jurgen Klinsmann gar als Psychotherapeuten outete, scheint er zu wissen, daB die Fahigkeit, mit dem Ball zu zaubern, noch lange nicht einschlieBt, auch mit den Jugendlichen padagogisch umgehen zu konnen, die in den Sta dien und anderswo ihr Randalespiel veranstalten. Die Probleme und Konflikte sowie die Moglichkeiten und Grenzen des eigenen Tuns einzuschatzen, die in und bei der padagogischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen entstehen, bedeutet allerdings noch nicht, imstan de zu sein, angeben zu konnen, mit welchem Wissen diejenigen, die nicht auf dem FuBballfeld, sondern in der sozialpadagogischen Praxis aktiv sind, ihr Konnen und Handeln in der beruflichen Praxis begrunden und produzieren.
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Im Sinne eines zu rekonstruierenden beruflichen Anspruches war hier darüber hinaus den Fragen nach einer ausbuchstabierbaren Berufsethik im Sinne moralischer Standards, die die jeweilige Stufe des moralischen BewuBtseins anzeigen (vgl. u. a. OSERlFATHElRÖFFE 1986), einem selbstgedeuteten Auftrag gemäB ei nes institutionell verankerten und rechtlich kodifizierten gesellschaftlichen Mandats und nicht zuletzt einer reflexiven Zugänglichkeit der ge nu in sozialpädagogischen Ambivalenz von vereinnehmender Helferdiffusität und sozialtechnokratischer Entmündigungsstrategie nachzugehen.
Margret Boch stellt zwar heraus, daB sie »immer diese pädagogischen Aspekte super interessant«MB72 fand, in ihrer Erzählung findet diese Deutung aber keinen dezidiert ausformulierten fachlichen Resonanzboden. Statt dessen sind es Sinn- und Glaubensfragen sowie die Erlebnisse in Gleichaltrigengruppen, die sie für diese Zeit als prägend beschreibt. Genau diese Erfahrungen und Sondierungen aus einer jugendspezifischen Perspektive finden in der Erzählung Brigitte Zierlichs keinen exklusiven Ort. Für sie stand vielmehr die Frage im Mittelpunkt, wie Erfahrungen und »methodisch aufbereitete« lnhalte an die jüngeren Gemeindemitglieder vermittelt werden können.
Demnach, zumindest wenn den klassischen soziologischen Vorstellungen von einer Profession gefolgt wird (vgl. HUGHES 1965; PARSON 1964; HARTMANN 1972; DAHEIM 1992), ist den beruflichen AkteurInnen der Sozialen Arbeit nicht oh ne weiteres möglich, eine»spezielle Identität als Professionelle« (SCHÜTZE 1996, S. 185) herauszubilden. Auch wenn die Soziale Arbeit in ihrer letztendlich immer noch jun gen Wissenschafts- und Berufsgeschichte zu keinem Zeitpunkt ein einheitliches theoretisches Bezugssystem vorzeigen konnte, deutet sich an, daB durch die gesellschaftlichen Erosions- und Entwertungsprozesse wissenschaftlicher Theorie- und Sinnsysteme die handlungsentlastenden Kodierungen der Praxisfelder der Sozialen Arbeit zum Ausgang des 20.


